5 auf einen Streich: Jungtiere bei den Geparden im Allwetterzoo Münster!
Am 19. April 2004 hat die Gepardin "Megan" im Allwetterzoo fünf Junge zur
Welt gebracht. Es ist das vierte Mal seit 2001, dass sich bei diesen
seltenen und wunderschönen Raubkatzen in Münster Nachwuchs eingestellt hat.
"Megan" stammt aus dem Zoo in Belfast/Irland, Vater "Kambu" wurde im August
2001 in Münster geboren. Mit den fünf jüngsten leben derzeit 15 Geparde im
Allwetterzoo. "Megans" Jungtiere können die Besucher nur mit etwas Glück
sehen, doch im Nebengehege lebt "Ukky" mit ihrem einjährigen Nachwuchs. Die
Jungen sind vor genau einem Jahr, am 18. 4. 03, geboren worden.
Nachzuchten in dieser Regelmäßigkeit sind bei Geparden immer noch eine
Ausnahme und gelten im Vergleich zu fast allen anderen Katzenarten (z.B.
Löwe, Leopard, Tiger) als sehr schwierig. Man kennt noch nicht alle Ursachen
für die mangelnde Fortpflanzungsfreudigkeit, weiß jedoch, dass Partnertausch
und regelmäßiger "Wohnortwechsel" wichtige Faktoren dabei sind. Im
Allwetterzoo scheint die insgesamt 7.500 m2 große Gepardanlage, die auf der
Basis langjähriger Erfahrungen errichtet worden ist, gute Vorraussetzungen
für eine erfolgreiche Zucht zu bieten. Die Größe der Anlage ermöglicht es
darüber hinaus, das schnellste Lauftier der Welt bei bester Kondition zu
halten. Filmaufnahmen zeigen, dass der Gepard in nur 3 Sekunden von 0 auf
100 km/h beschleunigen kann. Seine langen Beine und die elastische
Wirbelsäule machen ihn zum Geschwindigkeitsrekordler unter den Landtieren:
115 km/h. Diese Höchstgeschwindigkeit hält er jedoch nur etwa 300 m weit
durch.
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Geparde erstreckte sich über weite
Teile Afrikas und Vorderasiens. Der Bestand freilebender Geparden ist
inzwischen auf nur noch etwa 10.000 Tiere gesunken. Nennenswerte Bestände
gibt es ausschließlich in Namibia, Zimbabwe und Kenia. Der Schutz ihrer
natürlichen Lebensräume, aber auch die Zucht der Geparde im Zoo, ist
dringend notwendig, um die drohende Ausrottung zu verhindern. In den Steppen
und Halbwüsten Afrikas leben erwachsene weibliche Geparde meist als
Einzelgänger. Nur während der Paarung kommen beide Geschlechter zusammen.
Die Gepardin bringt nach etwa 97 Tagen 1 bis 5 Junge zur Welt. Ein ständiges
festes Zuhause hat sie aus Sicherheitsgründen nicht, denn Geparde haben
neben dem Menschen auch natürliche Feinde, wie z.B. Löwen, Leoparden oder
Hyänen. Die Mutter trägt die Jungtiere vielmehr alle paar Tage zu einem
anderen Versteck. Sie bleibt ca. 18 Monate mit den Jungen zusammen, dann
sind sie weitgehend selbständig.
Im Allwetterzoo ist das größte der drei Gepardgehege Müttern mit Jungtieren
vorbehalten. Für Geburt und Jungenaufzucht stehen ihnen außer zwei Erdhöhlen
auch Wurfboxen oder das warme Haus zur Verfügung. "Megan" hat sich für eine
dem Besucherweg zugewandte Höhle entschieden, in der man mit etwas Glück und
einem Fernglas schon am ersten Tag die Jungen sehen konnte. Mittlerweile hat
sie dieses Versteck bereits mehrfach gewechselt. Junge Geparde kommen etwa
meerschweinchengroß auf die Welt und öffnen sehr rasch, teilweise schon nach
5 bis 8 Tagen die Augen. Derzeit besteht ihr Leben aus Trinken und Schlafen,
erst mit etwa 10 bis 12 Wochen unternehmen sie auf wackligen Beinchen kleine
Ausflüge in die nähere Umgebung, stets wachsam behütet von Mutter "Megan".
Als "Megan" zum Pressetermin am 13. Mai kurzfristig von ihren Jungen
getrennt wurde, war das für sie nichts Ungewöhnliches: Sie erhält täglich
ihre Fleischration im Haus. Hier bleibt sie auch mal länger weggesperrt,
wenn z.B. das Gras auf der Anlage gemäht werden muss. Zudem nutzte der
Zootierarzt die Gelegenheit, die Jungen auf ihren Gesundheitszustand zu
untersuchen und ihre Geschlechter festzustellen: es sind ein männliches und
4 weibliche Tiere, die zwischen 1.190 und 1.600 Gramm wiegen.
Der Allwetterzoo kann übrigens auf eine lange Tradition in der Gepardzucht
zurückblicken: Den ersten, damals als Sensation betrachteten Nachwuchs, gab
es bereits 1975. Seitdem wuchsen mit Unterbrechungen immer wieder junge
Geparde in Münster auf. Die meisten Jungtiere bleiben nicht im Allwetterzoo,
sondern werden im Rahmen des Europäischen Erhaltungszucht-Programms an
andere Zoologischen Gärten in Europa bzw. weltweit abgegeben.